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»Leben ist schön.« Teil 3

Einmal hatte ich ein sehr dramatisches Erlebnis bei einer Einweihung, die ich vornahm: Pit Tahiti kam zu mir, er suchte nach einer Alternative zu seiner Aids-Therapie. Okay, wir machten einen Termin aus, und er kam. Zuallererst gab er mir ein Zäpfchen in die Hand und meinte, falls er einen Krampf bekäme, würde ich ihm das Zäpfchen verabreichen müssen. Er meinte aber auch, dass dies wohl nicht nötig sein würde und dass er es nur so als Vorsichtsmaßnahme gesagt habe.

Ich fing also mit den üblichen Erläuterungen zu Reiki an und merkte dabei, dass Pit ein wenig abwesend wirkte. Nachdem er immer wieder vermeintliche Fussel vom Pullover zupfte, fragte ich ihn, ob meine Ausführungen ihn zu sehr anstrengten, was er verneinte. Das war die epileptische Aura, es ging dann ganz schnell, Pit sprang auf, schrie: »Scheiße, ich krieg den Krampf!«, mir wurde bewusst, was passierte, ich sprang hoch, fing Pit auf wie ein umstürzendes Brett, legte ihn auf den Boden, schob ein Kissen unter seinen Kopf, legte ihn auf die Seite, hielt Verbindung mit dem zitternden Körper und entfernte den Schaum von seinem Mund. Na prima, ich scheine ja doch der Katastrophenfritze zu sein. Aber ich wusste sofort, warum ich für meine Heilpraktikerprüfung Epilepsie gelernt hatte - ich war damals der festen Überzeugung gewesen, dass ich darin geprüft würde, ich wusste alles darüber, kam aber nicht damit dran, sondern in der Prüfung war Alkoholmissbrauch das Thema gewesen. Aber jetzt half mir mein Wissen über Epilepsie: Ich rief die Feuerwehr, Pit entspannte sich nicht und kam auch nicht zu sich. Als die Feuerwehrmänner ihn abholten, bekam Pit einen neuen Anfall, Status Epileptikus, lebensgefährliche Situation. Jetzt kam das Zäpfchen zum Einsatz. Vorher musste ich aber erklären, dass Pit an Aids erkrankt war. Bei solchen Anlässen ist die Krankheit immer noch mit Vorurteilen belastet, ich merkte es dem guten Mann an.

Besserung durch Reiki

Pit kam also ins Krankenhaus, musste da eine Woche bleiben, und danach stand er wieder auf der Matte und wollte die Reiki-Einweihung haben. Ich fragte bei Jürgen Kindler an, ob er Erfahrungen mit Leuten mit Psychose hätte. Jürgen ist der Herausgeber des Reiki Magazins, und er hat viele Verbindungen zu Reiki-Meistern, aber er konnte mir in dieser Sache nicht weiterhelfen. Na ja, schlimmer kann es ja nicht kommen, dachte ich, besorgte mir als Verstärkung einen Assistenten und schaffte die Einstimmung dann ohne Zwischenfall. Danach fühlte sich Pit sehr wohl. Er gab sich regelmäßig Reiki, und er meinte, er habe sich noch nie zuvor so wunderbar gefühlt, so mit sich selbst verbunden, wie nach der Einweihung. Ein paar Monate danach machte er den zweiten Grad und ist sehr glücklich damit. Pit hatte nach dem ersten Grad sehr viele leichte Anfälle, die nach und nach immer weniger wurden. Nach dem zweiten Grad wurde es immer seltener, dass er einen Anfall erlitt. Der Nachteil dabei war, dass er glaubte, Reiki würde nun alles regeln, und er bräuchte keine Medikamente mehr. Es passiert leider sehr oft, dass alternative Heilmethoden falsch verstanden werden. Das liegt manchmal an den Vermittlern und manchmal am »Besserwissen« der Betroffenen. Pit handelte sich auf diese Weise einen Mega-Anfall ein. Er hat fast gar kein Kurzzeitgedächtnis mehr und arbeitet fleißig an der Beseitigung der Folgeschäden.

Ich habe mich dazu entschlossen, keine Menschen mit einer Psychose mehr in Reiki einzuweihen. Es ist einfach zu aufregend, überhaupt nicht vorhersehbar, wohin das führen kann. Zum einen sind die Betroffenen durch ihre Erfahrungen mit Außenstehenden meist nicht offen genug, sie erzählen oft gar nicht von ihrer Krankheit, aus Angst vor Vorurteilen, oder sie verschweigen wichtige Details. Zum anderen sind, für den Fall, dass etwas passiert, zu viele Fragen der Absicherung des Einzuweihenden ungeklärt.

»Ich war hilflos.«

Neben den außergewöhnlichen Erfahrungen bei den Einstimmungen in Reiki hatte ich beinahe ebensoviele bei Behandlungen mit Reiki. Eine Bekannte aus meiner ersten Aids-Hilfe-Supervisionsgruppe rief mich an und erzählte mir, dass ein gemeinsamer Freund, Martin, auch aus der gleichen Gruppe, der schon lange an Aids erkrankt war, sich dazu entschlossen hatte, keine Therapie mehr mitzumachen. Sein letzter Freund, es war eine lange Beziehung und eine große Liebe, war vor einem Jahr gestorben, und er selbst erkrankte sehr schwer an begleitenden Infektionen. Sein Körper verfiel immer mehr, und er bestand nur noch aus Haut und Knochen. Martin hatte mit seiner Pflegestation abgesprochen, dass nur noch eine Schmerztherapie erfolgen sollte, und er war mit sich einig, dass nur noch dieser Weg für ihn der Richtige war. Ich sollte die Trauerrede für Martin halten, und Irene fragte mich nun, ob ich Martin diesen Wunsch erfüllen würde.

Meine Erinnerung an die Trauerrede für meinen Intimfreund Gerhard ließ mich bei der Frage erzittern. Ich hatte nie zuvor so etwas schwer Erschütterndes erlebt. Dabei war ich nicht in der Lage gewesen, Verstand und Emotion zu trennen. Noch Tage danach war ich nicht zu einem geregelten Tagesablauf fähig gewesen. Martins Wunsch ehrte mich. Wir hatten während unserer Aids-Hilfe-Zeit sehr viele Betroffene begleitet und mehrere Jahre zusammen in der gleichen Supervisionsgruppe gesessen. Wir achteten uns sehr und waren uns freundschaftlich verbunden. Uns verbanden sehr viele traurige Erlebnisse, aber auch wunderbare, lebensfrohe Tanzfeste und eine gemeinsam aufgeführte Travestie-Show in der Aids-Hilfe. Ich konnte ihm seinen letzten Wunsch an mich nicht ausschlagen. Ich verabredete mit Irene, dass ich mich mit Martin treffen würde, und verabschiedete mich auf bald. Ich war mit mir so sehr hilflos.

Reiki-Marathon

Der Mitarbeiter der Pflegestation ließ mich herein, und ich ging zu Martin ans Bett. Durch meine betreuerische Tätigkeit habe ich Aids-Kranke in den verschiedensten Phasen gesehen. Jetzt hier bei Martin bekam ich aber doch einen Schreck, sicher auch wegen meiner Verbundenheit mit ihm. In diesen Momenten bin ich immer wieder unsicher, und ich weiß nicht genau, was nun das Richtige zu sagen ist. Aber eins weiß ich doch: Falsche Worte und dumme Floskeln sind unangebracht. Ich kam zur Sache. Um die gewünschte Rede zu halten, musste ich viele Informationen von Martin haben. Also schlug ich ihm vor, dass ich ihn täglich besuchen und dabei Reiki geben würde. Bei diesen Sitzungen würden wir uns dann über sein Leben unterhalten können und ich würde seinem Wunsch entsprechen können. Ich fing gleich mit einer Behandlung an. Hinter dem Kopfende richtete ich mir einen Sitzplatz ein und gab Martin eine Stunde auf die Kopfpositionen Reiki, und das drei Wochen lang jeden Tag. Martin erzählte mir aus seinem Leben, und dabei erfuhr ich, dass er trotz seiner grausamen Krankheit ein glücklicher und zufriedener Mann war. Er liebte und wurde geliebt, und daran war nichts Falsches. Er hatte ein liebevolles Elternhaus erfahren und war zufrieden, deshalb war er auch bereit, dem Lauf seines Lebens nichts mehr entgegen zu stellen. Ich muss zugeben, es gibt einige Augenblicke, da schäme ich mich.

Nach den drei Wochen organisierte ich ein Marathon-Reiki. Dabei geben mehrere Reiki-Kanäle einem Klienten, immer abwechselnd, mehrere Stunden Reiki. Martin bekam also ungefähr vier Stunden lang intensivstes Reiki. Wir hätten noch weiter gemacht, aber Martin meinte, es sei genug, er wolle nun wieder ins Bett und schlafen. Nach diesem Tag brauchte ich nicht mehr zu Martin gehen. Ohne dass wir darüber gesprochen hatten, wussten wir, dass ich nichts mehr tun musste. Irgendwann danach hörte ich, dass Martin sich wieder erholt hätte. Es gehe ihm gut, und das konnte ich dann auch bei einem Treffen feststellen. Er hat dann einen neuen Freund gefunden, mit dem er ein Jahr lang nach Paris ging, suchte sich eine neue Wohnung, machte Reisen, bekam bei einer großen Berliner Tageszeitung einen Job und lebte und lebt noch heute mit einem jugendlich strahlendem Aussehen. Die Reiki-Marathon-Sitzung bekam er vor acht Jahren.

Starke Reaktion

Reiner war umgefallen. Wenn eine Infektion den Kampf gegen das Immunsystem gewann, brachen die Menschen zusammen. Reiner kam ins AVK, Berlins Krankenhaus mit dem »Schöneberger Modell«. Dort war die Atmosphäre offen, Freunde und Verwandte der Betroffenen konnten jederzeit zu Besuch kommen und, wenn sie wollten, sogar mit den Kranken im selben Zimmer übernachten. Es war fast so, als wären sie dabei zu Hause. Von Seiten der Ärzte und dem Pflegepersonal wurden keine Unterschiede gemacht zwischen Freunden und Verwandten. Irgendwie arbeiteten alle zusammen, und trotzdem wollte niemand dorthin, denn es bedeutete für die meisten Menschen eine weitere Vertiefung der Krankheit.

AG Leder 1

Ich ging Reiner besuchen. Ehe ich das Krankenzimmer betrat, stimmte ich mich auf Reiki ein, mein Reiki-Kanal war also geöffnet. Mein Freund sah wirklich schlimm aus, seine Augen, die sonst immer strahlten und so typisch für ihn waren, wirkten total leblos, also es hatte ihn ziemlich stark erwischt. Ich streckte ihm beide Hände entgegen, und wir begrüßten uns wie gewohnt sehr herzlich. Ich hielt immer noch seine Hände und bemerkte dabei, wie sein blasses Gesicht hochrot anlief, und nach ganz wenigen Augenblicken schoss ihm der Schweiß aus dem Körper. Selten war ich so erschrocken, ich musste sofort die Schwester rufen. Blitzschnell waren seine Wäsche und sein Bettzeug klatschnass, das musste gewechselt werden. Der schwache Körper von Reiner reagierte mit dem Schwitzen auf die Reiki-Energie. Das Schwitzen hielt noch eine Weile an, wir mussten die Wäsche vier Mal wechseln, und Reiner war total schlaff, und natürlich bekam er auch Angst. Wir berührten uns an dem Tag nicht noch einmal. Reiner war selbst in Reiki eingestimmt, und wir wussten beide, wie stark Reiki wirken kann. Dieses Erlebnis aber bescherte uns einen Extra-Respekt vor dieser Energie. Seitdem kläre ich meine Reiki-Schüler besonders intensiv über die vielen verschiedenen Reaktionen der Menschen in Bezug auf Reiki auf.

Reiner wurde von den Ärzten wieder fit gemacht, und er ist mir immer noch ein sehr teurer Freund. Die Schulmedizin hat durch die Aids-Forschung viele neue Erkenntnisse gewonnen. Die meisten Aids begleitenden Krankheiten waren bei Aufkommen dieser Krankheit äußerst lebensbedrohlich, oft starben die Betroffenen daran. Ich rate bei derart schwerwiegenden Krankheiten immer zu einer Kombination von Schulmedizin und alternativer Medizin.

Das schöne Gesicht

Während meiner Reiki-Tätigkeit bot ich immer regelmäßige Gruppentreffen an. Das ist so wie ein Reiki-Marathon, nur viel kürzer. Es reichen da zehn Minuten völlig aus, wenn z. B. sechs Paar Hände auf einem Körper liegen. Der Reiki-Nehmer verliert während der Sitzung häufig jedes Gefühl für Zeit und Ort. Es ist kein Schlaf, sondern ein totales Entspanntsein. Manche Menschen sehen dabei Farben oder irgendwelche Bildabläufe. Ich habe lange Zeit ein wunderschönes bärtiges, schmales, ebenmäßiges Männergesicht gesehen, leicht durchscheinend, fast so wie Christus auf kitschigen, kleinen Sonntagsschulbildchen. Ich erinnere mich, so ein Bild in der Kindheit gehabt zu haben. Das Bild erschien mir monatelang bei diesen Reiki-Sitzungen, es war mir sehr vertraut geworden, und ich war immer schon gespannt, wann es mir wieder erscheinen würde. Manches Mal dauerte es etwas länger, oft aber erschien es mir auch sehr schnell wieder, und es sah immer gleich aus, unbeschreiblich schön.

Georgs Freund Enno war schwer erkrankt, er lag schon über Wochen im Krankenhaus, und es war sicher, dass keine Therapie mehr wirksam sei. Nachdem der behandelnde Arzt klar gemacht hatte, wie wenig Zeit es für Enno hier bei uns noch gab, entschloss sich Georg dazu, ihn nach Hause zu holen. Georg lud die engsten Freunde und Verwandten ein, und es wurde ein Wachdienstplan ausgearbeitet, so dass immer jemand, der Enno vertraut war, neben dem Pflegedienst bei ihm anwesend war. Enno hatte nur noch ein paar Tage. An einem Sonnabend merkten wir, dass sein Leben zu Ende ging. Die nächsten Freunde und Verwandten waren um Ennos Sterbebett versammelt, Georg hielt seine Hand und war mit ganzem Bewusstsein bei seinem leidenden Freund. Ich arbeitete mit Reiki und versorgte jeden der Anwesenden mit der Energie, die er brauchte. Und ich hoffte sehr, dass Enno die Energie zum Loslassen nutzen konnte. Er war umgeben von seinen lieben Verwandten und Freunden, als er nach einem langen schweren Leiden starb. Der Kampf um das Leben hatte aufgehört, es war Stille im Raum, jeder war von diesem absoluten Geschehen beeindruckt und voller Ehrfurcht und Demut. Der eben noch kämpfende Körper wurde durch einen endlosen Frieden eingenommen.

Ennos Körper bekam die letzte Pflege und wurde dann im schönsten Schlafanzug, aus Seide, schwarz-weiße, große Karos, aufgebahrt. Georg entschloss sich dann, zwölf Stunden Totenwache halten zu lassen und Ennos Körper erst am nächsten Morgen abholen zu lassen. Das war eine sehr gute Entscheidung. Wir konnten uns langsam, in aller Ruhe, von Enno verabschieden. So setzte sich jeder von uns eine Stunde zu ihm und regelte für sich, was zu regeln war. Als ich bei Ennos Leiche saß, veränderte sich sein Gesicht. Die Züge wurden weicher, erlöster, und ich traute meinen Augen nicht: Hier erkannte ich das Gesicht, welches ich während der Reiki-Sitzungen immer wieder im »dritten Auge« gesehen hatte, dieses wunderschöne Christus-Gesicht. Ich konnte mich meinen befreienden Tränen hingeben, und ich werde dieses Erlebnis nie vergessen. Das schöne Gesicht sah ich bei Enno das letzte Mal.

Die »AG Leder«

In der Berliner Aids-Hilfe gab es verschiedene Arbeitsgruppen für spezielle Interessen. Eine davon war die »AG Leder«. Hier versammelten sich gestandene Kerle mit einem Faible für Leder und Motorräder. Über das Jahr wurde Geld gesammelt, und im Sommer wurde dann meistens eine Gruppenreise unternommen. Diejenigen, die eine Maschine besaßen, fuhren damit, die anderen mieteten einen Bus. Als ich die Gruppe begleitete, ging die Reise nach Polen, Masuren. Außer mir war noch Karl-Heinz als Begleitperson mit dabei. Er war als Krankenpfleger für die Erste Hilfe da und bot nebenbei noch medizinische Massagen an. Ich machte mit den »Lederkerlen« in Polen ein Reiki 1. Grad-Seminar.

AG Leder 2

Wir hatten eine kleine Ferienanlage mit sieben kleinen, einstöckigen Häusern gemietet. Unten befand sich jeweils der Aufenthaltsraum und eine kleine Küche, oben mindestens zwei kleine Schlafräume. Das Haus, in dem Karl-Heinz und ich wohnten, hatte im Aufenthaltsraum einen offenen Kamin. Das war sehr gemütlich, hatte aber den Nachteil, dass es bei uns immer einen Haufen Gäste gab. Es war eine sehr schöne Atmosphäre, und wir lernten uns durch die vielen Gespräche am Kamin intensiver kennen, als dies in Berlin möglich gewesen wäre. Dabei ging es hauptsächlich um die Gesundheit. Es gab noch keine wirksamen Medikamente gegen Aids, und die Stimmung unter den Betroffenen war damals, im Gegensatz zu heute, doch gedrückter. Der ständige Begleiter der Leute war die Angst. Obwohl die »Lederkerle« nicht so sehr auf solchen »Kram« wie Reiki standen, wollten doch 20 von ihnen beim Seminar mitmachen.

Dabei hatte ich so meine Bedenken: Ich wollte nämlich nicht, dass sie nur wegen des schlechten Wetters an dem Seminar teilnahmen, weil sie sonst nichts anderes zu tun hatten. Ich wollte mir das schöne Reiki nicht missbrauchen lassen. Als es dann soweit war und die Jungs die Handpositionen lernen sollten, ging das Theater los. Statt die Hände ganz leicht auf den Körper des Reiki-Nehmers zu legen, klatschten sie die Hände auf ihre Partner, nach dem Motto: Harte Männer brauchen das! Als dann aber alle die ersten beiden Einstimmungen hatten und mit ihren Partnern arbeiteten, wurden die Kerle immer ruhiger, seichter, ja richtig sanft und zärtlich. Diese Veränderung war verblüffend, und mir machte das einen Riesenspaß. Der zweite Tag fing gleich ganz anders an: Die Jungs freuten sich weiterzumachen, erzählten von ihren Erfahrungen mit dem Reiki und fühlten sich sehr gelöst und voller Harmonie. Zum Schluss des Seminars machte ich mit den Männern Gruppenreiki. Wir standen im Kreis und umarmten uns, wiegten uns ganz leise und zart und sahen uns in der Runde lange in die Augen. Es war eine besonders schöne Situation, die uns sehr nahe brachte. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich so viele Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Menschen gemacht habe.

Mein Weg

Mich persönlich haben die Einstimmungen in Reiki, meine Meister-Ausbildung, meine eigene Arbeit mit Reiki und die Reiki-Arbeit mit den verschiedenen Menschen völlig verändert. Da ich zwischen den verschiedenen Graden und der Meister-Einstim-mung kaum Zeit für meine Entwicklung gehabt hatte, erlebte ich einen zum Teil chaotischen Prozess. Die Auseinandersetzung mit mir selbst nach dem 1. Grad wurde überholt durch die Arbeit mit dem Handwerkszeug des 2. Grades, und mitten in dieser Phase überrollte mich die verfrühte Meistereinweihung. Aber jeder geht seinen Weg, und für mich galt immer: Alles oder nichts. Ich kam durch, ohne abzuheben. Fest verbunden mit der Erde, kämpfte ich mich durch meine Emotionen, machte Fehler, die sehr weh taten, hatte Glücksgefühle von einer ungeahnten Intensität, und nach mehreren Jahren hatte ich das sichere Gefühl, mit dem Ganzen im Gleichklang zu sein.

Mit den Lebensregeln von Reiki kam ich anfangs überhaupt nicht zurecht. Immer, wenn ich sie las, merkte ich in mir Aggressionen aufsteigen. Die Lebensregeln erinnerten mich sehr an die Gebote, die uns Menschen immer wieder mit erhobenem, drohendem Zeigefinger dargebracht werden. »So wird’s gemacht und nicht anders!«, also da bäumt sich in mir alles auf, und ich kann nur widersprechen und meinen eigenen Weg suchen. Ich habe es geschafft, die Regeln für mich zu ignorieren, und trotzdem in meinen Seminaren darauf aufmerksam zu machen. Irgendwann merkte ich dann, in dem ganzen Reiki-Prozess, dass ich die Regeln lebe und dadurch ein wesentlich leichteres Auskommen in dieser Gesellschaft habe. Das ist mein Weg. Ich lasse mir nichts erzählen, ich muss alles selber für mich herausfinden, dann kann ich überzeugen. In meinen Seminaren weise ich meine Schüler auf den Wert der eigenen Erfahrung hin und lege ihnen ans Herz, nicht so viel auf die Inhalte von Reiki-Büchern zu geben, um nicht auf das Dilemma der Erwartung hereinzufallen. Jeder macht eigene Erfahrungen, die Summe dieser Erfahrungen macht die Haltung gegenüber Reiki aus.